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Auf Almen statt unter Palmen

Tiroler Landwirte öffnen ihre Hütten

Innervillgraten-Selmerhütte auf der Oberstalleralm; Die Treppe hoch, die Türe auf – und dann geht der Griff ins Leere. “Mir passiert es jedes Mal”, lacht Annemarie Gutwenger. Sie sucht den Lichtschalter. Und sie sucht vergebens. Denn die Almhütte Selmer auf der Oberstalleralm in 1.900 Meter Seehöhe hat viel zu bieten – aber keinen elektrischen Strom. Dafür eine traumhafte Sicht, himmlische Ruhe und heimelige Geborgenheit. Hütten sind ein Ferien-Hit in diesem Sommer. Deshalb gibt es “Urlaub auf dem Bauernhof” nun auch auf Berghütten und Almen.

Plumpsklo statt Wellnessoase, Transpiration statt Animation – Hüttenurlaub folgt eigenen Gesetzen. Da gilt es schon mal, den Ofen einzuheizen, Wasser zu tragen, Holz zu sammeln und am Abend eine Kerze anzuzünden. “Unsere Gäste saugen diese andere Welt geradezu in sich auf”, berichtet Annemarie Gutwenger, die mit ihrem Mann Anton im Osttiroler Innervillgraten mehrere Almhütten vermieten.

“Wann ist man schon einmal der Natur so nahe?” Annemarie Gutwenger gibt selbst die Antwort. “Jede der angebotenen Hütten bietet ihren ganz eigenen Reiz, jede macht ein besonderes Angebot.” Bei Familie Gutwenger kann man zwischen der für zehn Personen geeigneten Almhütte Schachler, der mit sechs Betten ausgestatteten Selmer-Hütte oder der Almhütte Gutwenger mit drei getrennten Wohnungen wählen. “Ideal ist es”, meint Annemarie Gutwenger, “wenn Gruppen oder befreundete Familien zusammen eine Hütte mieten.”

Gemeinsam statt einsam: So macht das Hüttenleben in den Tiroler Bergen großen Spaß. Denn zu erleben und zu bestaunen gibt es gerade für den städtisch orientierten Besucher ständig etwas. Da gerät auch ein Gewitter in den Bergen zum großen Spektakel, da wird ein Sonnenuntergang zum feurigen Naturschauspiel, da staunt der Frühaufsteher über die Pracht der Farben an einem Sommermorgen. Und wer schon mitten in den Bergen lebt, der kann natürlich nach Herzenslust wandern, klettern und biken. Die kleinen Gäste finden vor der Hüttentür ihr großes Reich. Da lockt ein Bergbach zum Staudammbauen, dort liefert eine Blumenwiese einen bunten Strauß für den Küchentisch.

Ein wenig Planung erfordert so ein Hütten-Urlaub freilich schon. Viele der urig-gemütlichen Domizile sind Selbstversorgerhütten. Doch so gut wie alle sind – im Sommer – mit dem Auto erreichbar. Also ordentlich Vorrat im nahen Supermarkt gekauft und schon beginnt die ungewohnte Freiheit über den Wolken. Unsere aufgeführten Hütten befinden sich auch in der Nähe von Bauernhöfen oder einer Jausenstation auf der Unterstalleralm.

Wer Hüttenflair und einen gedeckten Frühstückstisch am Morgen verknüpfen möchte, ist hier ebenfalls an der richtigen Adresse. Denn einige Hüttenbesitzer erzeugen  hausgemachte Buttermilch, Almbutter, Joghurt und Graukäse  direkt vom Erzeuger.

 Von der Selbstversorgung bis zur Halbpension. Eines haben alle Hütten und Gasthäuser gemeinsam: Stets wartet Natur pur vor der Haustür.  Nach einer rund halbstündigen Wanderung erreichen sie einen idyllischen Wasserfall – ein von der Natur geschaffenes Badeparadies.

 Den schnellen Weg zur Hüttenbuchung ebnet die eigene Website, auf der man auch direkt buchen kann.

Wir bieten abseits vom Großstadt-Lärm gemütliche Zimmer und Wohnungen am Bauernhof am Hochberg, 3 Almhütten verschiedener Größen, viele Tiere rund um die Almhütten und Ferien in unverfälschter Natur.

Zurück in die Zukunft

Das Tiroler Villgratental

Aus Liebe zum Plumpsklo

Zurück vom Berg, verkosten wir in der getäfelten Stube unterm Herrgottswinkel Annemaries selbst angesetzten Zirbenschnaps. Später, nachdem seine fünf Kühe gemolken sind, hockt sich auch Anton zu uns an den Tisch. Er erzählt, dass seine Bienenvölker in guten Jahren 2.000 Kilogramm Honig sammeln. „Am aromatischsten ist der Berghonig von der Oberstalleralm, die Kräuterwiesen kamen garantiert nie mit Kunstdünger in Berührung.“

Am folgenden Tag wandern wir noch einmal hinauf, von unten die zweite Hütte links gehört den Gutwengers. Wir haben einen Schlüssel dabei und öffnen die aus klobigen Brettern zusammen gezimmerte Tür. In der niederen Rauchküche steht ein gusseiserner Herd, man kann noch den kalten Ruß riechen. Im Sommer vermietet die Bauernfamilie die Almhütte an Gäste, die hier allerdings auf jeden Komfort verzichten müssen. Denn gekocht wird immer noch auf der uralten Feuerstelle, als Lichtquelle dienen Kerzen oder Petroleumlampen, geduscht wird im Freien an einem hölzernem Brunnentrog. Hinten an die Hütte angebaut ist das Plumpsklo.

Das Echte, das Bodenständige, hat Anton Gutwenger beobachtet, werde immer seltener und zugleich immer gefragter. Manche seiner Gäste wohnen zuerst in einem Ferienappartement unten am Bauernhof. Nachdem sie aber die Hütte auf der Oberstalleralm kennen gelernt hätten, reservierten sie diese bei der Abreise für das nächste Jahr. „Ein Stammgast droht uns jedes Mal, dass er nicht wiederkommt, falls das Plumpsklo verschwindet.“ Über so viel Naturverbundenheit muss der geschäftstüchtige Bauer dann doch heimlich lachen.